Eine Frau mit einem Stab in der Hand steht auf einer Bergweide vor zwei braunen Kühen.
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Weideland ernährt uns

Logo Internationales Jahr der Weiden und Hirten

UNO-Jahr der Weiden und Hirten

Die UNO hat 2026 zum internationalen Jahr der Weiden und Hirten bestimmt. In der Geschichte der Menschheit gehört die Haltung von Tieren zu den ältesten Formen von Landwirtschaft. Entsprechend vielfältig sind die Weidelandschaften und Tierhaltungskulturen auf der ganzen Welt. Auf rund zwei Drittel der globalen Landwirtschaftsfläche wächst nur Gras. Deshalb haben Weiden wichtige Funktionen in der Landpflege, der Lebensmittelproduktion, sie erbringen verschiedene Ökosystemdienstleistungen im Bereich Klimaschutz und bereichern direkt und indirekt unsere Kultur.

Lerne Corina, Sarah, Livia und Erich kennen!

Im UNO-Jahr geben dir vier Personen einen Einblick in ihr Leben. Dieses dreht sich um die Bewirtschaftung von Weiden und die Haltung Nutztieren:

Corina Kohler-Brunner führt mit ihrem Mann Andreas einen Bergbetrieb mit Angus Kühen in Pfäfers im Kanton St. Gallen.

Sarah Müri aus Oberems im Kanton Wallis ist von Beruf Schafhirtin. Sie zieht im Winter mit Wanderschafherden im Flachland umher. Im Sommer ist sie hoch oben in den Bergen.

Livia Bühler ist mit ihrer Familie und im Sommer auf der Oberstockenalp im Berner Oberland. Sie halten Milchkühe, Schweine sowie Rinder und produzieren Alpkäse.

Erich Betschart verbringt den Sommer mit Schafen, Ziegen und einigen Rindern auf der Charetalp im Kanton Schwyz. Sie stellen verschiedene Käsespezialitäten aus Ziegen- und Schafmilch her.

Grasland Schweiz

Auch in der Schweiz lassen sich etwa zwei Drittel der Flächen nur als Weide nutzen. Dort wächst ausschliesslich Gras, weil es zu steil oder zu hoch oben gelegen ist. Entsprechend haben wir eine weit zurückreichende Weidetradition. Gras und Heu sind das Hauptfutter für Wiederkäuer wie Kühe, Schafe und Ziegen, für Pferde, Esel, Alpaka, Lamas und natürlich Rehe oder Hirsche. Diese Tiere können in ihrem spezialisierten Magen die Zellulose im Gras zersetzen und so die darin enthaltende Energie nutzen. Sie machen damit aus Gras Milch und Fleisch. Wir Menschen hingegen – ebenso wie Schweine und Hühner – können Zellulose nicht verdauen. Ohne Tiere liessen sich die Gras- und damit Weideflächen nicht für unsere Ernährung nutzen.

Eine Weide.
Ein Bauer mit seinen Rindern auf einer Weide.

Menschen und ihre Tiere auf dem Weideland

Wo es Nutztiere hat, braucht es Menschen, die sich um diese kümmern. Deshalb gehören Weiden und «Hirten» zusammen. In der Schweiz sind das in erster Linie die Bäuerinnen und Bauern. Der typische Schweizer Landwirtschaftsbetrieb betreibt Ackerbau und Tierhaltung. Im Hügel- und Berggebiet sind die Ackerbaumöglichkeiten beschränkt, dafür gibt es Gras in Hülle und Fülle. Hier haben sich Betriebe entsprechend auf die Tierhaltung spezialisiert. Auf den Alpbetrieben verbringen Älplerinnen und Hirten den Sommer mit hauptsächlich Kühen, aber auch Ziegen, Schafen, Pferden und Eseln, die das Gras in den höheren Lagen fressen. Im Winter gibt es Wanderschäfer, die mit Schafherden umherziehen. Es gibt aber auch Privatpersonen, die Tiere auf Weideland halten.

Milch und Fleisch von Schweizer Weiden

Viele verschiedene Käse, die auf einem Holzregal am Reifen sind.

Milch

Weidetiere leisten einen erheblichen Beitrag an die Lebensmittelproduktion. Schweizer Milchkühe produzieren jährlich rund 3587 Millionen Kilo Milch. Davon werden 44% zu Käse, 15% zu Butter, 11% zu Trinkmilch, 10% zu Kondensmilch und Milchpulver, 9% zu Rahm, 4% zu Joghurt und die restlichen 8% zu Milchspezialitäten und Quark. Dazu kommen 21.6 Tonnen Ziegenmilch, 6.6 Tonnen Schafmilch und 1.8 Tonnen Milch von Wasserbüffeln.

Der Schweizer Käse ist weltberühmt und vielseitig: Es gibt rund 450 verschiedene Sorten aus einheimischer Produktion. Der Selbstversorgungsgrad mit Milch liegt als einziges Landwirtschaftsprodukt bei über 100 Prozent. Ein Teil des Käses geht in den Export.

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Lammfleisch-Steaks auf einer Grillplatte.

Fleisch

Die Weidetiere produzieren auch Fleisch. Pro Jahr entstehen in der Schweiz 152’000 Tonnen Fleisch von Rindern (79%), Kälbern (16%) und Schafen (3%). Die restlichen 2% teilen sich Ziegen, Pferde, Esel, Kaninchen und Wild.

Während der Selbstversorgungsgrad beim Rindfleisch mit 84% hoch ist, ist er beim Schaffleisch (35%) und beim Wild (39%) verhältnismässig gering.

Das Buffet am 1. August-Brunch.

Spezialitäten

Neben dem Käse gibt es weitere Schweizer Spezialitäten mit direktem Bezug zum Weideland, zum Beispiel das Saucisson Vaudoise, der Luganighe aus dem Tessin, das Zürcher Geschnetzelte, die Berner Platte mit Wienerli, Saucisson und Speck, das Bündner Trockenfleisch, der Cervelat oder der Gâteau Vully und Nidletäfeli.

Förderung der Biodiversität

Weiden erhalten und fördern auch die biologische Vielfalt. Denn ohne die Offenhaltung durch Weidetiere und zusätzliche «Handarbeit» würden die Flächen innert weniger Jahre verbuschen und dann verwalden. Dank der Weidenutzung entstehen verschiedene Lebensräume für unterschiedliche Wildpflanzen- oder Tierarten.

Weidetiere sorgen für weitere positive Aspekte auf die Flächen: durch ihr selektives Fressen, durch Trittlöcher oder durch das Absetzen von Kot schaffen sie weitere kleine Lebensräume, von denen viele Insekten profitieren. Strukturelemente wie Ast- und Steinhaufen, Buschgruppen und Dornsträucher bieten Schutz und Lebensräume für Vögel und Kleintiere.

Gerade die grossen, zusammenhängenden Weideflächen schaffen einen Lebensraum für Arten und Lebensgemeinschaften von teils europäischer Bedeutung für wandernde Tierarten und erhalten damit eine breite genetische Vielfalt.

Nicht zuletzt stellt Grünland durch die Blumenvielfalt Nahrungsressourcen für bestäubende Insekten wie Bienen, Wildbienen oder Hummeln zur Verfügung – die wiederum für stabile und gute Erträge in der Lebensmittelproduktion sorgen.

Ein Schmetterling auf einer Blüte.

Weiden fürs Klima

Dauerhafte Grasflächen, die ohne Bodenbearbeitung auskommen, speichern grosse Mengen Kohlenstoff. Sie verhindern damit, dass dieser in die Atmosphäre gelangt und dort das Klima «aufheizt». Solche Flächen kühlen ausserdem die Luft in der Nacht ab. Das ist insbesondere in der Nähe von Siedlungen und anderen grossen versiegelten Flächen wichtig, die sich im Sommer stark erwärmen.

Dauergrünflächen verfügen über eine ungestörte, gut durchwurzelte Bodenstruktur und können grosse Wassermengen aufnehmen. Damit mindern sie Überflutungen. Sie speisen Oberflächengewässer und Grundwasservorräte. Grünland filtert zudem das Wasser und entzieht ihm so Schadstoffe. Durch die Bewurzelung stabilisieren sie den Boden und schützen ihn vor Erdrutschen, Erosion und Nährstoffverlusten.

Der Kot von Weidetieren füttert ausserdem die bodenbildenden Mikroorganismen und sorgt für eine gute Bodenfruchtbarkeit und gesunde Böden.

Wirtschaftlich wichtig

Mit zwei Dritteln der landwirtschaftlichen Nutzfläche hat das Dauergrünland in der Schweiz eine entsprechende wirtschaftliche Bedeutung. Diese besteht nicht nur in der Produktion von Milch und Fleisch.

Die Nutzung des Dauergrünland in den Randregionen hält diese Gebiete besiedelt und sorgt für eine entsprechend Infrastruktur, von denen nicht zuletzt der Tourismus profitiert. Sie sorgt zudem für abwechslungsreiche Landschaften, eine fotogene Nutztierwelt und blühende Wiesen und haben damit einen ästhetischen Wert. Grünland ist ausserdem die Grundlage für die Naherholung und viele naturbezogene Aktivitäten, sei es Skifahren, Pfadilager, Wandern, Gleitschirmfliegen, Radfahren, Reiten etc.

Sind die Grasflächen in den Bergen im Winter abgefressen, hält der Schnee darauf besser und die Lawinengefahr sinkt.

Susanna Wittwer bei der Käsepflege im Keller.
Ein traditioneller Schweizer Alpaufzug.

Kultur und Tradition

Viele der Schweizer Traditionen haben direkt oder indirekt mit dem Grasland Schweiz zu tun, gerade im Berg- und Alpgebiet. Hast du gewusst? Die Alpsaison gehört im immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Das unterstreicht den Wert der Sömmerung für das soziale und kulturelle Leben in der Schweiz.

Was unsere Kultur prägt ist z.B. die gesamte Kulinarik rund um Käse und Milch, die Alpauf- und abzüge, der Chästeilet oder Schnitterwettbewerbe, alles verbunden mit einer Handwerkskultur (Trachten, Schellen/Glocken, Musik) und Kultur (Liedern, Musik, Jodel). Aus dem Wallis sind die Eringerkühe bekannt für ihre spektakulären Rangkämpfe.

Dazu kommen religiöse Aspekte wie der Alpsegen. Menschen und Tiere sind in den Bergen den Elementen viel stärker ausgesetzt als im Tal und suchen deshalb verstärkt den göttlichen Schutz.

Weltweit von Bedeutung

Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit ist die Vieh- und Weidewirtschaft bedeutsam und die Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung. Auf ihrer Webseite zum UNO-Jahr zeigt Helvetas Beispiele von Menschen, welche dank Weiden und Nutztieren Lebensmittel herstellen, Traditionen und Landschaften pflegen sowie die lokale Wirtschaft stärken. Erfahre dort mehr über Baatyrbek Akmatov aus Kirgistan oder Loko Tume aus Äthiopien.

Eine Frau mit einer kleinen Ziege in der Hand vor einer Hütte.

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